Sitz der Zentralbank(en)

Sitz der Bank Deutscher Länder in der Taunusanlage 5, um 1950*
Den Keim für Frankfurts Wiederaufstieg in die Riege der bedeutenden internationalen Finanzplätze legten die Besatzungsmächte mit ihrer Entscheidung im Januar 1948, dort die Bank deutscher Länder als Spitzenorgan des westdeutschen Zentralbanksystems zu errichten. Über die Motive dieser Entscheidung gegen Hamburg, das seit dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs und der Ausschaltung Berlins als Finanzzentrum zum wichtigsten deutschen Bankenplatz geworden war, als Standort der neuen Notenbank kann nur spekuliert werden. Frankfurt war Sitz der 1947 errichteten bizonalen Verwaltung und besaß den Vorteil der zentralen geographischen Lage. Die wie eine Initialzündung wirkende Standortentscheidung, die bald durch die Wahl Frankfurts als Sitz der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie weiterer öffentlicher Banken mit Sonderaufgaben flankiert wurde, prägte die Entwicklung des Platzes nachhaltig.
Die Nähe zur Notenbank, die den Geldmarkt steuerte und eine wichtige Rolle für die Liquiditätsversorgung der Banken besaß, bot offenbar für viele Kreditinstitute Anlass, ihre Zentralen oder Spitzeninstitute in Frankfurt anzusiedeln. Von der stabilitätsorientierten Ausrichtung der Bank deutscher Länder bzw. der Deutschen Bundesbank (seit 1957), die in Verbindung nicht zuletzt mit der Wirtschaftskraft Deutschlands die D-Mark zu einer der weltweit gefragtesten Währungen und seit der Mitte der Siebzigerjahre zu einer europäischen Leitwährung werden ließ, profitierte nicht nur der Frankfurter Finanzplatz. Aber er tat dies stärker als die anderen deutschen Finanzplätze. So war es eine Folge der wachsenden Attraktivität der Deutschen Mark, dass internationales Kapital die Nachfrage nach deutschen Wertpapieren und insbesondere DM-Anleihen verstärkte, was der Frankfurter Wertpapierbörse ein erhebliches Umsatzwachstum bescherte. Angesichts der seit Aufgabe des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse (1973) häufigen Deviseninterventionen der Bundesbank hielten die Finanzmarktakteure die räumlichen Nähe zur Zentralbank für geboten, um Zugang zu frühzeitigen Informationen über geld- und währungspolitische Entscheidungen zu haben. Die Devisenoperationen der Bundesbank kamen der Entwicklung der Frankfurter Devisenbörse zugute, da sie ausschließlich dort vorgenommen wurden.

Sitz der Europäischen Zentralbank
Der Begründung einer Stabilitätstradition und des damit verbundenen internationalen Prestiges des Finanzstandortes war es zum guten Teil auch zu verdanken, dass sich die EU-Staaten für Frankfurt als Sitz des Europäischen Währungsinstituts und danach der Europäischen Zentralbank entschieden, die 1998 ihre Arbeit im Herzen der Stadt aufnahm.
* Bildquelle: historisches museum frankfurt (Bank Deutscher Länder), Fotolia (EZB)


