Bedeutender Handels- und Finanzplatz mit liberaler Gesinnung

Messe auf dem Römerberg, Kupferstich von J. A. Jormann, 1896*
Wie in anderen (spät-)mittelalterlichen Finanzzentren gewannen auch in Frankfurt Finanzgeschäfte vor allem in Verbindung mit dem Warenhandel an Bedeutung. Der Aufstieg Frankfurts als Handels- und Messestadt hatte dabei vor allem zwei Ursachen: Zum einen die geographische Lage an der Kreuzung wichtiger Handelswege – am Main und nahe des Rheins – zum anderen die herausgehobene Rolle Frankfurts in der politischen Landschaft des Deutschen Reichs. So war Frankfurt eine bevorzugte Königspfalz und bereits in der Zeit der Staufer häufig Wahlort der deutschen Könige, was mit der Goldenen Bulle von 1356 Reichsgesetz wurde. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts fanden auch die Krönungszeremonien in Frankfurt statt. Diese Stellung begünstigte die Entwicklung des Frankfurter Handels nicht nur über die Marktkräfte, sondern brachte Frankfurt zahlreiche Privilegien (Zoll- und Münzwesen, Geleitschutz usw.) ein, mit denen die bereits im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnte Frankfurter Messe gestärkt wurde. Die Messe etablierte sich als Knotenpunkt der Fernhandelsbeziehungen zu allen bedeutenden Handelsplätzen Europas, und das unabhängig von den Verlagerungen der spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Handelsströme vom Mittelmeerhandel zum Atlantikhandel.

Tabelle mit Kursen von Münzen, 1789*
Mit der Ausweitung der Handelsgeschäfte und insbesondere des Fernhandels ging die Entwicklung der mit dem Handel verbundenen Geld- und Kreditgeschäfte einher. Sie brachte Finanzinnovationen nach Frankfurt, wie sie die Kaufleute der oberitalienischen Städte schon seit längerem erfolgreich praktizierten und beförderte den Geldwechsel und die Entstehung bargeldloser Zahlungsmodalitäten. Angesichts der unübersichtlichen Vielfalt der umlaufenden Münzen war der Geldwechsel bzw. der Münzhandel ein einträgliches Geschäft, das im 16. Jahrhundert vor allem von den jüdischen Bewohnern der Stadt betrieben wurde. Zunehmend setzte sich jedoch auch die bargeldlose Zahlung durch, die meist mit der Kreditgewährung auf Warengeschäfte einherging. In eigens dafür eingerichteten Messezahlwochen wurden in einer Art „Clearing“ Forderungen und Verbindlichkeiten der Kaufleute gegeneinander aufgerechnet und nur die Spitzen in Bargeld ausgezahlt. Große Handelshäuser gingen als „merchant banker“ dazu über, sowohl Warenhandel als auch Geld- und Kreditgeschäfte zu betreiben. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Wechsel, dessen wachsender Bedeutung die Frankfurter Börse letztlich ihre Entstehung im 16. Jahrhundert verdankt. Das sich immer weiter verbreitende Wechselgeschäft wurde zunehmend auch unabhängig vom Warengeschäft betrieben, wobei man durch Ausnutzung von Währungsschwankungen an den verschiedenen Wechselplätzen Arbitragegewinne zu erzielen versuchte.
Die Frankfurter Kaufmannsdynastien haben im 16. und 17. Jahrhundert das Anleihegeschäft mit Kaiser und Landesfürsten eher zurückhaltend betrieben. Ihr Einfluss auf die Begründung der Kapitalkraft Frankfurts nahm in dieser Zeit einen anderen Weg: Ihr Aufstieg in die politische Führungsschicht der Stadt, das Patriziat, scheint der Grund für eine vergleichsweise liberale Wirtschafts- und Einwanderungspolitik des Rates gewesen zu sein. Diese wiederum begünstigte die Kapitalakkumulation und die Innovationsfähigkeit des Frankfurter Finanzplatzes. So konnten zum Ende des 16. Jahrhunderts vermögende Kaufleute und Bankiers niederländischer bzw. wallonischer Herkunft nach ihrer Flucht vor der spanischen Gegenreformation in Frankfurt eine neue Heimat finden und zu führenden Häusern am Platz werden. Ebenso stieg die Finanzkraft Frankfurts durch die Bildung großer jüdischer Vermögen, die zumeist aus dem Hoffaktoren-, dem Geldwechsel- oder dem Kreditgeschäft stammten.
*Bildquellen: historisches museum frankfurt (Römerberg), Privat (Valations-Tabelle)


