Karriere-Trends

Der Handelsblatt-FRAX

Eine Kooperation zwischen der Frankfurt School of Finance & Management und dem Handelsblatt

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt aktuell für die 700.000 bis 800.000 Mitarbeiter in der Banken- und Finanzindustrie in Deutschland? Über Entlassungen wird schnell berichtet, aber wie steht es mit der Entwicklung der offenen Stellen? Um hier mehr Licht in die so extrem intransparenten Arbeitsmärkte zu bringen, hat die Frankfurt School of Finance & Management in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt einen internet-basierten Arbeitsmarktindex entwickelt, der speziell nur für das Arbeitsmarktsegment Banking und Finance konstruiert ist.


Die aktuelle Entwicklung des Handelsblatt-FRAX

Nach dem starken Einbruch in Folge der zweiten Bankenkrise in diesem Jahrzehnt hat sich das Angebot der offenen Stellen in Banking und Finance in Deutschland zusehends erholt. Von Dezember 2009 bis Juni 2010 ist der Indexstand des Handelsblatt-FRAX wieder kontinuierlich gewachsen und hat damit fast fünfundzwanzig Punkte im Vergleich zu seinem Tiefststand aufgeholt. Die weitere Erholung verlief dann zunächst nicht kontinuierlich, sondern war mit mit erneuten Rückgängen verbunden.

Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftssektoren verlief die Erholung der Arbeitsmärkte im Bereich Banking und Finance bis zum Jahreswechsel nur recht zögerlich und verhalten. Das hat sich im Februar 2011 geändert. Der Indexstand des Arbeitsmarktindexes Handelsblatt-FRAX stieg im Februar im Vergleich zum Vormonat von 99,2 auf 119,1 an. Das entspricht einer Steigerung von gut 20% und bildet damit den bisher stärksten dokumentierten Anstieg offener Stellen im Finanzsektor. Seither behauptet er sein hohes Niveau.

Seit Jahresbeginn ist er kontinuierlich auf seinen bisherigen Höchststand von 131,3 im Juni 2011 gestiegen. Damit liegt er 42,8% über dem Vorjahresniveau von nur 92 im Juni 2010. Das bedeutet, dass sich nicht nur die Arbeitsmarktaussichten für Bankmitarbeiter verbessert haben, sondern auch, dass Kreditinstitute in einem stärkeren Wettbewerb untereinander stehen, geeignete und qualifizierte Mitarbeiter im Arbeitsmarkt zu gewinnen. Der Wettbewerb um Mitarbeiter hat sich auch bei den Banken intensiviert.

Eine direkte Gegenüberstellung der Aktienmarktperformance und des Arbeitsmarkindexes zeigt, wie irreführend es sein kann, von der Geschäftsentwicklung einiger weniger Großbanken auf die Arbeitsmarktentwicklung für Mitarbeiter in der Bankenindustrie zu schließen.  Die folgende Graphik enthält eine solche direkte Gegenüberstellung. Die Graphik zeigt in der rosaroten Linie die Entwicklung des Datastream-Aktienindexes (Thomson Financial) für Banken in Deutschland, den wir hier zur besseren Vergleichbarkeit rebasiert haben auf 100 zum Startzeitpunkt des Handelsblatt-FRAX im Juli 2007:


Anhand dieser Graphik kann man schon mit bloßem Auge mehrere wichtige Tatsachen erkennen. Während der jüngsten Bankenkrise ging die Zahl der offenen Stellen stark zurück. Die teilweise Erholung der Bankenaktienwerte begann dann etwas früher als die Belebung der Arbeitsmärkte. Seither haben sich Bankenaktien nicht nennenswert weiter nach oben entwickelt. Das steht allerdings in starkem Kontrast zur Entwicklung der Arbeitsmärkte in der Bankenindustrie.

Die Erklärung liegt darin, dass die Geschäftsentwicklung der meisten Banken in Deutschland durch die binnenwirtschaftliche Entwicklung getrieben wird. Und diese Entwicklung war in den vergangenen Monaten durch solides realwirtschaftliches Wachstum gekennzeichnet. Dementsprechend positiv haben sich auch die gesamtwirtschaftlichen Arbeitsmärkte und die Arbeitsmärkte im Bereich Banking & Finance entwickelt. Nur eine relativ kleine Gruppe von Banken wird am Aktienmarkt gehandelt, und es ist gerade diese Gruppe, die von der aktuellen Finanzkrise betroffen ist. Der Aktienmarktindex für diese Werte spiegelt die negative Bewertung der Investoren der Geschäftspolitik dieser rein gewinnorientierten Banken wider. Im Aktienmarktindex ist das Gewicht dieser Banken sehr hoch, im Handelsblatt-FRAX aber sehr gering. Hier dominieren die kleineren Kreditinstitute.


Interpretation des Arbeitsmarktindexes

Wie ist dieser Index nun zu interpretieren? Der Handelsblatt-FRAX signalisiert potenziell Arbeitssuchenden, ob die Bedingungen im für sie relevanten Arbeitsmarkt momentan günstig sind und sie mit einer kurzen Suchzeit rechnen dürfen, oder ob sie eher eine längere Zeit der Suche einplanen müssen. Für die HR-Abteilungen in den Unternehmen der Finanzindustrie bedeutet ein hoher Indexstand einen intensiven Wettbewerb um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten. In solchen Zeiten steigen die Vakanzzeiten für offene Positionen. (Die Vakanzzeit misst die Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt, an dem ein Arbeitgeber eine Position besetzen will und dem Zeitpunkt, an dem die Position tatsächlich besetzt wurde.)

Vorgehensweise und Berechnung des Handelsblatt-FRAX
Der Handelsblatt-FRAX Arbeitsmarktindex misst die Veränderung der offenen Stellen in Deutschland in diesem Sektor und trägt damit zur Verbesserung der Transparenz der Arbeitsmärkte im Bereich Banking und Finance bei. Hierbei wird monatlich die Zahl der Stellenanzeigen erhoben, die sich bei insgesamt 14 verschiedenen Online Jobbörsen und Jobsuchmaschinen im Bereich Banking und Finance finden. Aus diesen Daten wird ein dimensionsloser Index berechnet, der zu Beginn der erstmaligen Erhebung im Juli 2007 auf 100 normiert wurde.


Mehr Informationen zum Handelsblatt-FRAX der Frankfurt School of Finance & Management erhalten Sie unter:

Ansprechpartner




Dr. Dirk Rudolph
Senior Research Fellow
Frankfurt School of Finance & Management
Sonnemannstr. 9-11
D-60314 Frankfurt/Main
Germany

Tel.:  +49 (0) 69 154008 - 269
Fax.:  +49( 0) 69 154008 - 4269

d.rudolph@fs.de
www.fs.de

 

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