Die wichtige Funktion von Banken und Märkten in einer Volkswirtschaft


Die Krise hat die Finanzmärkte aus Sicht vieler Menschen in Misskredit gebracht. Viele fordern, die Märkte an die Kette zu legen. Dabei wird meist übersehen, dass funktionierende Finanzmärkte äußerst wichtig sind für den Wohlstand der Menschen. In einer Volkswirtschaft gibt es vereinfacht gesprochen Konsumenten und Produzenten. Die Produzenten stellen Güter und Dienstleistungen her. Um Investitionen in ihre Produktionsanlagen zu finanzieren, benötigen sie in der Regel Mittel von außen. Diese stellen ihnen die Konsumenten in Form ihrer Ersparnisse zur Verfügung. Für diesen Konsumverzicht und die Übernahme von Risiken erhalten sie von den Produzenten Zinsen und Dividenden. Die Aufgabe eines Finanzsystems besteht nun darin, die Ersparnisse der Konsumenten an diejenigen Produzenten weiterzuleiten, die diese am besten nutzen können, die also die höchste Investitionsrendite erzielen.

Ein funktionierendes Finanzsystem bringt also Ersparnisse und Investitionen auf eine effiziente Weise zum Ausgleich. Gäbe es keine Banken oder Märkte, dann müsste sich jeder einzelne Sparer auf die Suche nach den Unternehmen machen, denen er sein Geld anvertrauen kann. Umgekehrt müsste jedes Unternehmen mit zahllosen Sparern verhandeln, um die meist hohen Investitionssummen zu finanzieren. Das wäre sehr aufwendig. Viele Unternehmen kämen nicht an die benötigten Gelder, Investitionen unterblieben, technischer Fortschritt und Wohlstand blieben auf der Strecke.

Investmentmöglichkeiten
Ein Finanzsystem überwindet die Barrieren zwischen Sparern und Unternehmen, indem es mehrere Funktionen wahrnimmt: Erstens stellt es Informationen über potenziell lohnende Investitionen zur Verfügung. Sparer kennen aus eigener Anschauung nur wenige Unternehmen. Märkte bieten ihnen dagegen die Möglichkeit, einer Vielzahl von Unternehmen, auch ausländischen, über den Kauf von Aktien oder Anleihen Mittel zur Verfügung zu stellen. Diese Funktion erfüllen auch die Banken. Denn sie kennen viele Unternehmen aus langjähriger Erfahrung und können so für die Gelder der Sparer zahlreiche Investitionsmöglichkeiten identifizieren. Zweitens überwacht ein Finanzsystem, ob die Mittel der Sparer sinnvoll verwendet werden. Die Interessen der Sparer (hohe Renditen und sichere Rückzahlung) und der Manager (etwa hohe Vergütung) stimmen nicht notwendig überein. Das zeigt nicht zuletzt die Diskussion über hohe Boni bei angelsächsischen Investmentbanken. Ein funktionierendes Finanzsystem wahrt die Interessen der Sparer. So versetzen Aktienmärkte die Anleger in die Lage, durch den Verkauf von Aktien Druck auf ein Management auszuüben, das aus ihrer Sicht ihre Interessen nicht ausreichend wahrt.

Drittens verwandelt ein Finanzsystem kurzfristige Einlagen in langfristige Kredite. Unternehmen sind oft auf sehr langfristige Investments angewiesen, denn bei der Entwicklung neuer Medikamente oder Technologien fließen die Erträge teilweise erst nach zehn oder mehr Jahren.

Fristentransformation
Aber nicht jeder Sparer kann sein Vermögen für so lange Zeiträume aus der Hand geben. Märkte für Aktien oder Unternehmensanleihen geben Sparern die Chance, sich aus einem Investment nach einer kürzeren Zeit zurückzuziehen, indem sie ihre Papiere an andere verkaufen. Eine Bank erreicht diese Transformation, indem sie die kurzfristigen Einlagen ihrer Kunden teilweise den Unternehmen in Form längerfristiger Kredite zur Verfügung stellt.

Segensreiche Wirkungen
Die von der Wirtschaftstheorie formulierten segensreichen Wirkungen kann ein Finanzsystem natürlich nur dann erzielen, wenn der Staat es effizient ausgestaltet. Hier sind, das zeigt die Finanzmarktkrise, in der Tat Reformen notwendig. Diese sollten nicht zu mehr, sondern zu einer besseren Regulierung der Finanzmärkte führen.

von Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank


 

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