Bausteine eines Finanzzentrums

Grenzenloses Europa – auch im Zahlungsverkehr

von Michael Steinbach
Ein Beitrag aus dem Jahrbuch 2011 von Frankfurt Main Finance



Der einheitliche Euroraum für unbaren Zahlungsverkehr ist bereits seit 2008 Fakt, nur bislang nicht bindend und deshalb wenig genutzt. Jetzt sollen SEPA-Lastschrift und -Überweisung zur Pflicht werden. Das erfordert Investitionen in neue Infrastruktur und bietet viele Chancen.


Sechs Jahre nach Einführung des Euro zum 1. Januar 2002 hat im Januar 2008 die Vereinheitlichung des unbaren Zahlungsverkehrs begonnen. Ziel ist die Single Euro Payments Area (SEPA) – ein einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum. Bargeldlose Zahlungen in Euro sollen zwischen den Teilnehmerländern europaweit in einem einheitlichen Format abgewickelt werden. Für die Bankkunden wird es keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen in Euro geben. Das bringt vor allem ­europaweit agierenden Unternehmen Vorteile. Sie könnten ­ihren gesamten europäischen Zahlungsverkehr in einem Land zentralisieren und über eine Bank abwickeln. Damit ließe sich die gesamte Abwicklung straffen, das Liquiditätsmanagement vereinfachen und Transaktionskosten könnten reduziert werden. Da ­SEPA-Zahlungen nur so viel kosten dürfen wie Inlandszahlungen, ergeben sich für Unternehmen im SEPA-Raum weitere Einsparungen. Ab 2012 können Kunden nach einer maxi­malen Abwicklungszeit von einem Bankgeschäftstag über den Überweisungsbetrag verfügen und dadurch zusätzlich ihre Liquidität verbessern. SEPA gibt den Banken außerdem die Möglichkeit, ihren Kunden Zusatz-Services anbieten zu können, beispielsweise die Verwaltung von SEPA-Lastschriftmandaten oder eine Vorankündigung bereits eingelieferter Kontobelastungen.

SEPA wird an Akzeptanz gewinnen
So weit ist es allerdings noch nicht: Bis heute unterscheiden sich die Rahmenbedingungen wie Formate, Verarbeitungsprozesse und Regeln für den bargeldlosen Zahlungsverkehr von Land zu Land deutlich. Noch regulieren die einzelnen Länder ihre Zahlungsverkehrsmärkte selbst. Deshalb hat sich das einheitliche Format seit Einführung von SEPA-Überweisung und SEPA-Lastschrift noch nicht wie gewünscht durchgesetzt. Laut Untersuchungen der Europäischen Zentralbank wird die SEPA-Überweisung derzeit nur bei 9,6 Prozent aller Überweisungen im Euroraum genutzt. Die Zahlen des Zahlungsverkehrsdienstleisters Equens belegen dies: Im Jahr 2010 wurden mehr als 100 Millionen SEPA-Transaktionen verarbeitet. Dies ist jedoch nur ein verschwindend geringer Teil der jährlich rund 9,7 Milliarden Transaktionen des Unternehmens.

Ursachen dafür gibt es viele: Bei den Lastschriften fehlte lange ein rechtlich verlässliches Übergangsszenario von den Alt-Verfahren hin zum neuen SEPA-Direct-Debit-Prozess. Bei den Überweisungen war wegen der zwingenden Nutzung der längeren und neuen IBAN (International Bank Account Number) und BIC (Bank Identifier Code) statt der gewohnten Kontonummer und Bankleitzahl nur eine geringe Akzeptanz zu beobachten. Deshalb wollen die europäischen Gremien die SEPA-Zahlung per Verordnung zur Pflicht machen. In den europäischen Gremien werden verschiedene Vorschläge diskutiert. Diese reichen von einer Übergangsfrist nach Inkrafttreten der Verordnung bis zur Festlegung ­fixer ­Daten für die Migration zu SEPA.

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Der Autor:
Michael Steinbach ist Vorstandsvorsitzender der Equens SE. Zuvor war er Vorstandssprecher des Vorgängerunternehmens, bis er bei der Gründung von Equens stellvertretender Vorstandsvorsitzender wurde.


 

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