Von der US-Subprime-Krise zur globalen Finanzmarktkrise I
Mit freundlicher Genehmigung der Commerzbank AG

Die weltweite Finanzmarktkrise hat sich in mehreren Phasen bzw. Stufen entwickelt. Eine Vielzahl von Faktoren und Verursachern haben zusammengewirkt. Der Ursprung der Krise liegt im Wohnungsbau markt der USA. Von 2000 bis Mitte 2006 wuchs in den USA der Bestand an Häusern schneller als die Bevölkerung. Dieser Immobilienboom wurde zum einen begünstigt durch historisch niedrige Zinsen. Denn die US-Notenbank hatte nach dem Platzen der New-Technology-Blase und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ihre Leitzinsen bis auf 1% gesenkt. Der Geldmarkt wurde auf diese Weise mit Liquidität geradezu geflutet – Geld war billig und scheinbar unbegrenzt verfügbar. Zum anderen war es in den USA politisch gewollt, dass sich auch einkommensschwächere Haushalte ein Eigenheim leisten können. Staatliche Subventionen, hohe Beleihungswerte, eine aggressive Konditionsgestaltung und Kreditvermittlung durch Immobilienmakler ließen das so genannte Subprime-Segment für Hypotheken entstehen: Amerikanische Haushalte mit schwacher Kreditwürdigkeit finanzierten ihr Eigenheim bei niedrigen Zinsen zu variablen Konditionen – zum Teil ganz ohne Eigenkapital. Bei 30-jähriger Laufzeit war es z. B. verbreitete Praxis der US-Hypothekenbanken, zunächst die Kreditzinsen für zwei Jahre auf niedrigem Niveau festzuschreiben. Für die folgenden 28 Jahre wurden dagegen variable Zinsen vereinbart.
Solange das Zinsniveau niedrig blieb und die Häuserpreise, d. h. die Werte der Kreditsicherheiten, stetig stiegen, war das kein Problem. Darauf setzten auch manche Privathaushalte, die ihre bestehenden Immobilienfinanzierungen neu beliehen, um Konsumausgaben zu tätigen. Doch der Bauboom führte schließlich zu einem Überangebot. Und seit Ende 2004 stiegen die Leitzinsen im Zuge der erstarkten US-Konjunktur innerhalb von zwei Jahren auf über 5%. Viele Bankkunden konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen und mussten ihr Haus verkaufen. Die Immobilienpreise begannen zu sinken, ein „Teufelskreis“ kam in Gang.




