Gastbeitrag "Die Bank"

Gefragter Berater für aufstrebende Finanzplätze


von Dr. Lutz Raettig (Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance)


Erschienen in Ausgabe 04/2011 in "Die Bank" (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung)


Bild: DZ BANK

Der Finanzplatz Frankfurt befindet sich nach der Krise in einer guten Ausgangslage. Der wichtigste deutsche Finanzplatz ist geachteter Wettbewerber und geschätzter Dialogpartner – vor allem dank seiner traditionell gewachsenen Stärken. Gefragt ist die Expertise Frankfurts in Risikomanagement- und Regulierungsfragen. Diese sollte der Finanzplatz weiter ausbauen, um seine Position weiter zu stärken.

Für die Leistungen der deutschen Finanzbranche gilt das gleiche wie für Maschinen und Automobile: Das Siegel „Made in Germany“ steht für Wertarbeit, Verlässlichkeit und Stabilität. Nicht umsonst zählen die Autoren des Global Financial Centres Index (GFCI) Frankfurt zu der Gruppe der „stabilen“ Finanzplätze. Nur sieben weitere Finanzzentren rund um den Globus gehören dieser Gruppe an. Überdies schwankte Frankfurts Punktzahl im GFCI über die Krise hinweg maximal um elf Punkte. Zum Vergleich: Bei einigen Wettbewerbern aus Asien lag die Volatilität mehr als zehnmal so hoch. Auch die europäischen Kollegen aus London und Paris mussten teils weitaus stärkere Rückschläge verkraften.

Andererseits fällt die Aufwärtsbewegung gerade bei den asiatischen Zentren, aber auch bei einigen europäischen Finanzplätzen, aktuell weitaus dynamischer aus als in Frankfurt – auch wenn die Mainmetropole nach wie vor zum exklusiven Kreise der „Global Leaders“ gezählt wird. Angesichts der größeren Dynamik andernorts fordern viele bereits, Frankfurt müsse wieder mehr wagen, glamouröser werden. Richtig ist, dass der Finanzplatz Frankfurt durchaus an der einen oder anderen Stelle offensiver mit seinen einzigartigen Stärken werben darf. Falsch wäre es aber, Deutschlands wichtigstes Finanzzentrum fundamental ändern zu wollen. Vielmehr sollten wir auch künftig auf dem Grundstein aufbauen, der uns so stark und so stabil gemacht hat, wie wir heute sind: die enge Verknüpfung zwischen Finanzwirtschaft und Realwirtschaft.

Enge Verknüpfung zwischen Finanz- und Realwirtschaft

Denn eine solch enge Verbindung ist nicht selbstverständlich. In vielen anderen Wirtschaftsräumen der Welt haben sich die beiden Bereiche zunehmend entkoppelt. Nach Ansicht von Wirtschaftswissenschaftlern ist das sogar ein Hauptgrund für die Entstehung der letzten Finanzkrise: Sobald sich die Entwicklung der Finanzindustrie von der realwirtschaftlichen Situation löst, den Transaktionen der Finanzwirtschaft also die realwirtschaftliche Bewertungsgrundlage abhanden kommt, dann verstärkt sich dadurch automatisch die Selbstreferenz der Finanzmarkttransaktionen. Dies erhöht die Gefahr der Bildung von Blasen, deren Platzen wiederum für die Stabilität des Gesamtsystems gefährlich sein kann, wie die Immobilienblase in den USA eindrücklich gezeigt hat. Folgerichtig haben diejenigen Finanzplätze mit einer starken Anbindung an die Realwirtschaft die Krise signifikant besser überstanden.

Wie unterschiedlich die Verknüpfungen zwischen Real- und Finanzwirtschaft an verschiedenen Finanzplätzen sein kann, illustriert folgendes Beispiel: So ist im Vereinigten Königreich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Ende 2004 und Ende 2009 um drei Prozent gewachsen. Im gleichen Zeitraum hat die Bilanzsumme der dortigen Banken um sagenhafte 41 Prozent zugelegt. Im gleichen Zeitraum ist die Bilanzsumme der deutschen Banken lediglich um 12,4 Prozent gewachsen – bei einem BIP-Wachstum von 3,3 Prozent. Legt man lediglich die wichtigsten in Frankfurt ansässigen Banken zugrunde, so hat deren Bilanzsumme sogar nur um 1,3 Prozent und damit weniger stark als das BIP zugenommen. Auch der Anteil des BIP, den die Finanzwirtschaft ausmacht, ist im Vereinigten Königreich wesentlich höher als in Deutschland. Im Umkehrschluss heißt das: In Deutschland ist ein wesentlich höherer Anteil der Aktivitäten am Finanzmarkt Deutschland realwirtschaftlich unterlegt.

Allerdings darf der Nutzen der engen Verknüpfung nicht als Einbahnstraße gesehen werden. So, wie die Finanzwirtschaft nicht ohne realwirtschaftliche Fundierung auskommt, ist die Realwirtschaft auf die Kapitalallokation durch eine funktionierende Finanzwirtschaft angewiesen. Denn ohne sinnvolle Finanzierungslösungen wären die meisten Erfolge der deutschen Volkswirtschaft nicht denkbar – angefangen bei den Exporten, die Deutschland zu einer führenden Exportnation machen, bis hin zu den Investitionen in erneuerbare Energien, die zum Energiekonzept der Zukunft gehören.

Traditionelle Stärke im Anleihegeschäft

Der Nutzen der Finanzwirtschaft für die Realwirtschaft lässt sich aber auch an ganz konkreten Produkten und Lösungen festmachen. So nehmen etwa die im Zuge der Krise oft pauschal verurteilten Derivate eine wichtige Funktion für die Absicherung ein: Fluggesellschaften sichern sich steigende Kerosinpreise ab, Bauern gegen fallende Weizenpreise oder Autokonzerne gegen steigende Notierungen bei Industriemetallen wie Kupfer. Nicht nur spielen die von Finanzinstituten entwickelten Produkte dabei eine Rolle – auch sind die Märkte in der Lage, die für eine Absicherung notwendige Gegenposition zu finden. Oft nehmen Spekulanten diese Position ein und stiften somit ebenfalls einen signifikanten Mehrwert für die Realwirtschaft.

Auch ein Finanzplatz kann aus seiner Nähe zur Realwirtschaft ganz konkret Stärke schöpfen – zum Beispiel als Finanzierer von Unternehmen und Nationalstaaten. Das zeigt sich am Beispiel des Anleihegeschäfts. So gilt Frankfurt bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts als das europäische Zentrum für die Emission von und den Handel mit Staatsanleihen. Zunächst erfüllten die absolutistischen Staaten des europäischen Kontinents ihren großen Kreditbedarf über den Frankfurter Anleihemarkt, und gegen Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen dann auch Emissionen amerikanischer Anleihen zu, für die Frankfurt zu dieser Zeit führend war. Die Bankhäuser betreuten dabei nicht nur die Emittenten, sondern auch die Anleger, und entwickelten neben dem Depot- auch das Kontokorrentgeschäft. Betrieben wurden diese Geschäfte von renommierten Privatbankhäusern, die teils noch heute erfolgreich sind, wie beispielsweise das Bankhaus Metzler.

Einen weiteren Beitrag zur starken Position Frankfurts im internationalen Anleihegeschäft leistete nach dem zweiten Weltkrieg die Ansiedlung der Bundesbank. Diese sorgte mit einer besonders stabilitätsorientierten Ausrichtung – und in Kombination mit der aufstrebenden Wirtschaftskraft Deutschlands – dafür, dass die D-Mark zu einer gefragtesten Währungen aufstieg. Eine Folge der Attraktivität der D-Mark war die zunehmende internationale Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen, die dem Standort Frankfurt einen weiteren Bedeutungsschub verlieh. Auch angesichts der aktuellen Staatsschuldenkrise in Europa gelten Bundesanleihen – nunmehr trotz einer gemeinsamen europäischen Währung – wieder als sicherer Hafen für Investoren. Dass der Bund als Emittent Benchmark-Status genießt, ist dabei mitnichten nur das Ergebnis einer exzellenten Emittentenbonität des Bundes. Vielmehr schaffen die Experten der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur mit ihrer Emissionspolitik ein optimales Umfeld für die Emission und den Handel von deutschen Staatsanleihen – das notwendige Wissen dazu ist primär am Finanzplatz Frankfurt verankert.

Hochwertige Börsen- und IT-Infrastruktur

Die steigende Attraktivität der Bundeswertpapiere in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts bedeutete zugleich eine Initialzündung für den rasanten Aufstieg der Frankfurter Wertpapierbörse, die heute eine der wichtigsten Stärken des Finanzplatzes darstellt. So bescherten die Kapitalflüsse in die DM-Anleihen der Börse starke Umsatzzuwächse und bildeten somit die Basis für viele spätere Erfolge. Heutzutage gilt das elektronische Handelssystem Xetra aus dem Hause Deutsche Börse beispielsweise als eines der zuverlässigsten Handelssysteme der Welt, das sich auch in Krisenzeiten bestens bewährt hat. Die Deutsche Börse war auch zu den Hochzeiten der Krise jederzeit in der Lage, ordnungsgemäßen Handel sowie die Abwicklung der Transaktionen sicherzustellen, und konnte damit entscheidend zu einer transparenten Preisbildung beitragen. Überhaupt haben Faktoren wie Marktintegrität und –sicherheit während der Krise enorm an Bedeutung gewonnen, während die bloße Effizienz von Handelssystemen nicht mehr das alleinige Kriterium ist.  Dies zeigt sich etwa auch beim Thema Clearing: Die Verlagerung von Transaktionen, die bislang over-the-counter getätigt wurden, auf Börseninfrastrukturen gilt als eine der wichtigen Herausforderungen bei der nachhaltigen Stabilisierung des globalen Finanzsystems. Mit Eurex Clearing bietet die Gruppe Deutsche Börse hier ein Clearing-System an, das als das weltweit stabilste gilt.

Die Grundvoraussetzung für solch leistungsfähige Systeme besteht in einer belastbaren und hochwertigen digitalen Infrastruktur. Rechenzentrumskapazitäten und Glasfasernetze sind heute wichtiger Eckpfeiler der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Frankfurt. Wie wichtig dies ist, zeigt allein die Tatsache, dass große Teile des Börsenhandelsvolumens mittlerweile im automatisierten Hochfrequenzhandel realisiert werden. Während der Anteil des automatischen Handels bei der Deutschen Börse vor fünf Jahren bei zehn Prozent lag, beträgt er heute rund 40 bis 50 Prozent. Der Standort Frankfurt bietet für die damit verbundenen Herausforderungen die notwendige Leistungsfähigkeit. So laufen bereits heute 85 Prozent des deutschen Datenverkehrs und 35 Prozent  des europäischen Datenverkehrs über den Frankfurter Internetknoten mit dem Namen DE-CIX. Hochwertig ist auch die Rechenzentrums-Infrastruktur: Im November 2009 ging beispielsweise der neue Hochleistungsrechner des Loewe Center for Scientific Computing (Loewe CSC) in Betrieb, einer der schnellsten Computer Europas, der u. a. Berechnungen des Teilchenbeschleunigers CERN in Genf ausführen wird. Dank dieser Voraussetzungen konnte in Frankfurt zudem ein großes Pilotprojekt zum Cloud Computing der Deutschen Bank und der Goethe-Universität gestartet werden. Cloud Computing meint die die gemeinsame Nutzung von Rechnerinfrastrukturen durch verschiedene Anwendergruppen und erlaubt die besonders flexible Nutzung von Kapazitäten. Dadurch könnten künftig vielerorts Hardwarekosten gespart und Stromverbrauch und damit CO2-Emissionen reduziert werden. Zudem macht die große Flexibilität Cloud Computing gerade für Anwendungen in der Finanzindustrie zu einer vielversprechenden technologischen Innovation.

Gerade die Entwicklung im IT-Bereich zeigt die enorme technische Komplexität der modernen Finanzindustrie. Die intellektuelle Komplexität der gegenwärtigen Herausforderungen ist ohnehin hinlänglich bekannt. Beides erfordert jedoch eine Forschungs- und Bildungsinfrastruktur auf internationalem Top-Niveau. Der Finanzplatz Frankfurt hat hier bereits seit längerem zu den großen Wettbewerbern aufgeschlossen und punktet vor allem durch einen interdisziplinären Ansatz. Gerade die Diskussionen um die Re-Regulierung des Finanzsystems zeigen, dass eine umfassende Analyse, die die verschiedenen Gebiete der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften übergreift, notwendiger denn je ist. Denn auch in der Vergangenheit bestand die Schwierigkeit der Wissenschaftler, die Entstehung der Finanzkrise vorherzusagen, schließlich nicht in einem Mangel gut ausgebildeter Experten. Im Gegenteil: Die vielfältigen Ursachen der Krise – von Regulierungsarbitrage über makroökonomische Ungleichgewichte bis hin zu Moral Hazard und Liquiditätsrisiken – wurden vielmehr nur mangelhaft in ihren Verbundeffekten untereinander untersucht. Die verschiedenen wissenschaftlichen Teildisziplinen hatten sich voneinander abgeschottet. Dieser Trend dreht sich nun, und der Wissenschaftsstandort Frankfurt ist einer der Vorreiter dieser Entwicklung. So verfolgt das House of Finance der Geothe-Universität zum Beispiel seit seiner Gründung im Jahr 2008 einen interdisziplinären Ansatz. Mittlerweile beschäftigen sich dort gleich drei Institutionen mit der interdisziplinären Finanzforschung: das Institute for Financial and Monetary Stability (IMFS), das Institute for Law and Finance (ILF) und das Doctoral Program in Law and Economics of Money and Finance (LEMF).

Standort der Wahl für europäische Institutionen

Diese Stärken – von einer exzellenten Bildungs- und Forschungslandschaft über eine erstklassige Börseninfrastruktur und IT-Systeme bis hin zur engen Verknüpfung der Finanz- mit der Realwirtschaft – werden nicht nur von der Finanzbranche selbst wertgeschätzt. Es hat sich gezeigt, dass das Stärkenprofil des Finanzplatzes Frankfurt den Standort gerade für Institutionen aus dem Bereich Regulierung und Aufsicht überaus attraktiv macht. Als prominentestes Beispiel ist hier die Europäische Zentralbank zu nennen, die wohl nicht zuletzt deshalb 1998 in Frankfurt angesiedelt werden konnte, weil die am Standort schon ansässige Bundesbank ein solch hohes Ansehen für ihre stabilitätsorientierte Geldpolitik genießt. Die Ansiedlung der EZB hat der Vormachtstellung Frankfurts im europäischen Anleihenhandel weiteren Vorschub geleistet. Durch die bröckelnde Position des US-Dollars als internationale Leitwährung und eine stärkere Verlagerung auf den Euro wurde die Position Frankfurts als Emissionsstandort in Euro begebener Anleihen weiter gestärkt. Gestützt durch diese exogenen Faktoren haben die am Platz vertretenen Finanzdienstleister, aber auch die wissenschaftlichen Einrichtungen, ein beachtliches Know-how im Bereich des Anleihegeschäfts entwickelt, um die einmal erreichte Stärke zu festigen. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Dienstleister wie etwa Beratungsunternehmen oder Anwaltskanzleien, die sich um die EZB herum gruppiert haben und ein reibungsloses Funktionieren der Zentralbank gewährleisten. Buchstäblich unter dem Dach der EZB findet mittlerweile auch der neu geschaffene Europäische Systemrisikorat (ESRB) seinen Platz, der zum 1. Januar seine Arbeit aufgenommen hat. Diese Institution wird künftig wohl ein zentrales Instrument der makroprudentiellen Finanzaufsicht werden. Auch davon wird der Standort Frankfurt weiter profitieren. Eine ähnliche hohe Bedeutung sollte auch der neuen europäischen Aufsicht für Versicherungen und Pensionsfonds, EIOPA, zukommen. Diese konnte als Nachfolgerin der Vorgängerorganisation CEIOPS ebenfalls in Frankfurt angesiedelt werden und hat Anfang Januar 2011 ihren Dienst aufgenommen. Insbesondere im Falle von Uneinigkeiten zwischen nationalen Behörden soll die neue Behörde das letzte Wort haben und so schnell und effizient für die Durchsetzung der richtigen Maßnahmen sorgen. 

Um den Führungsanspruch Frankfurts bei Risikomanagement- und Regulierungsthemen zu untermauern, hat Frankfurt Main Finance im Jahr 2009 das Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung, FIRM, initiiert. Nicht weniger als Forschung und Lehre auf internationalem Spitzenniveau soll dieses bislang weltweit einmalige Institut leisten, und so die Verzahnung zwischen Politik, Finanzbranche und Wissenschaft entscheidend stärken. Forschungsgelder wurden bereits vergeben, der Forschungsbetrieb ist erfolgreich angelaufen. Erste Ergebnisse der Forschungsvorhaben stehen demnächst ins Haus. Im Bereich der Lehre bietet das Institut einen Executive-Master-Studiengang an, der Führungskräften aus den Bereichen Risikomanagement und Regulierung eine passgenaue Weiterqualifikation ermöglicht. Der Studiengang startete erstmals zum Sommersemester 2010 mit rund 15 Studierenden. Besonderheit des FIRM ist die intensive hochschulübergreifende Zusammenarbeit. So bündelt das Institut die Kompetenzen der Frankfurt School of Finance and Management sowie des House of Finance der Goethe-Universität: Die Federführung in der Lehre liegt bei der Frankfurt School, das House of Finance treibt die Forschungsvorhaben voran.

Center of Excellence für Risikomanagement und Regulierung

Das Ziel für den Finanzplatz Frankfurt muss es nun sein, aus den vorhandenen Grundbausteinen ein Center of Excellence für Risikomanagement und Regulierung zu entwickeln. Eine solche Entwicklung lässt sich natürlich nicht am Reißbrett entwerfen, sondern kann nur über eine große Eigendynamik entstehen. Auch hier bietet die Entwicklung, die sich im Anschluss an die Ansiedlung der EZB vollzogen hat, ein eindrucksvolles Beispiel. Nicht nur wurde damit auf einen Schlag die Bedeutung der Mainmetropole in der europäischen Geldpolitik auf einen Schlag maximiert. Auch hat die Einrichtung der Zentralbank eine ganze Reihe zusätzlicher Geschäfte nach sich gezogen und damit die Wirtschaftskraft des Finanzplatzes nachhaltig gestärkt. Die Voraussetzungen zur Wiederholung einer solchen Erfolgsgeschichte sind jedenfalls vorhanden. Dies wird auch die Position des wichtigsten deutschen Finanzplatzes im globalen Wettbewerb weiter stärken.

Denn: Die Positionierung als  Exzellenzzentrum für Risikomanagement und Regulierung kann ein Ansatzpunkt sein, an dem der Finanzplatz Frankfurt für aufstrebende Finanzplätzen aus Asien, Südamerika oder Osteuropa zu einem wichtigen Partner und Berater werden kann. Dazu entwickelt Frankfurt Main Finance derzeit gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Roland Berger ein Modell des Finanzplatzes Frankfurt, anhand dessen solche Kooperationspotentiale erschlossen werden können. In vier Schritten wird von einem allgemeinen Modell über die einzelnen Marktsektoren sowie deren Wertschöpfungsketten bis hin zu einzelnen Marktteilnehmern und deren Interaktionen eine detaillierte Übersicht über die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes erarbeitet. Das Ergebnis ist eine Art Landkarte, die es erlaubt, übersichtlich durch das Leistungsangebot des Finanzplatzes zu navigieren und so den Partnern anderer Finanzzentren Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit aufzuzeigen. Mit diesem Werkzeug erhält der Finanzplatz die Möglichkeit, die ohnehin vorhandenen Potentiale zu nutzen. Denn vielfältige Kontakte zu möglichen Partnern bestehen etwa durch die Delegationsreisen des Landes Hessen oder die lokalen Kontakte der Niederlassungen deutscher Finanzplayer vor Ort ohnehin. Bereits heute erleben wir, dass die traditionellen Stärken des Finanzplatzes Frankfurt – und auch dessen jahrhundertelange Tradition als erfolgreicher Finanzplatz – große Wertschätzung im Ausland erfahren. Wenn es gelingt, nur einen Bruchteil dieser Wertschätzung in zählbare Geschäfte umzumünzen, haben wir bereits sehr viel erreicht.

Dr. Lutz Raettig ist Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Morgan Stanley Bank.
 

Mehr Beiträge des Finanz-platzes zu einer neuen Finanzordnung


Der Finanzplatz Frankfurt wirft einen Blick in die Zukunft der Finanzbranche. Auf 76 Seiten skizzieren prominente Autoren wie Bundesbank-Präsident Axel Weber, Hessens Ministerpräsident Roland Koch oder Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen die künftige Architektur des globalen Finanzsystems. „In Arbeit – Auf dem Weg zu einer neuen Finanzordnung“ lautet dementsprechend der Titel des Frankfurt Main Finance Jahrbuchs 2010.



 

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