Roland Koch zu Gesprächen in London
Dialog der Finanzplätze ist notwendig
Mit freundlicher Unterstützung der Börsen-Zeitung
Roland Koch, Ministerpräsident Hessens, warb am 20. Juli in London vor Vertretern der Londoner City für einen neuen Dialog mit dem Finanzplatz Frankfurt über gemeinsame Interessen. Die Finanzzentren London und Frankfurt sollten zusammenarbeiten, um eine Regulierung zu verhindern, die ihre globale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.

Koch erklärte, 20 der 27 EU-Mitgliedstaaten verfügten nicht über eigene bedeutende Finanzzentren. Die Regierungen dieser Länder könnten daher versucht sein, sehr viel strengere Finanzmarktregeln in der EU durchzusetzen, um damit die eigenen Wahlaussichten zu verbessern in dem Wissen, dass diese Regeln ihre Länder kaum hart treffen werden. Trennlinien zwischen London und Frankfurt würden diese Staaten in die Lage versetzen, über die Zukunft der wichtigsten Finanzstandorte in Europa zu entscheiden. ,,Wenn man das verhindern will, dann wird es notwendig sein, zu gemeinsamen Themen und Vorschlägen zu gelangen‘‘, meinte der hessische Ministerpräsident, der Ende August aus dem Amt ausscheidet.
Koch traf in Begleitung unter anderem von Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni sowie der Deutschland-Chefin von Royal Bank of Scotland, Ingrid Hengster, mit Vertretern des Londoner Finanzdistrikts und der Stadt zusammen. Bei dem Austausch sei es darum gegangen, Mitstreiter für die Initiative zu gewinnen und Gebiete für eine gemeinsame Agenda auszuloten, sagte der CDU-Politiker, der entscheidende Anstöße zur Gründung der Finanzplatzvereinigung Frankfurt Main Finance vor zwei Jahren gegeben hatte und sich seitdem als ihr Schirmherr für die Interessen des Frankfurter Finanzstandorts einsetzt.
,,Wenn wir nicht in der Lage sind zu kooperieren und zu kommunizieren, vor allem auf dem Gebiet der Regulierung, werden wir beide dafür bezahlen müssen‘‘, betonte Koch, der hinzufügte, dass das vorrangige Interesse zunächst einer Kooperation mit London gelte. Weitere Finanzplätze sollen aber in die Initiative einbezogen werden können. Ein Abdriften von Kapital und Knowhow nach Asien müsse verhindert werden. ,,Durch falsche Regulierung sind wir verwundbar.‘‘
Einzelstaatliche Maßnahmen seien nicht ideal, fügte Koch mit Blick auf das von Deutschland beschlossene Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Wertpapieren hinzu. Solche Schritte seien mit der Sorge und auch der Frustration darüber zu erklären, dass die internationale Abstimmung bestimmter regulatorischer Maßnahmen zu lange dauere. Einen wettbewerblichen Nachteil erwarte er durch das Leerverkaufsverbot für Deutschland nicht, so Koch.
Einen schnellen Schulterschluss mit London, dem führenden Finanzzentrum in Europa, hält der hessische Ministerpräsident bei Regulierungsfragen aus Wettbewerbsgründen allerdings nicht für realistisch. So müssten zunächst andere Themen angegangen werden, bei denen sich leichter gemeinsame Erfolge erzielen ließen. Ein solches könne Bildung und Forschung sein.
Text: Carsten Steevens (Börsen-Zeitung)
Bild: Axel Gaube (Frankfurt Main Finance)



