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IHK Frankfurt: Im Zeichen der Krise - „Zeit Konferenz Finanzplatz“ mit Dr. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und Martin Blessing, Vorstandssprecher der Commerzbank

Die Zeit Konferenz Finanzplatz, von der Wochenzeitung Die Zeit am 3. September gemeinsam mit der IHK Frankfurt veranstaltet, stand im Zeichen der Krise. Was im vergangenen Jahr noch Finanzkrise genannt wurde, hat sich inzwischen zur weltweiten Wirtschaftskrise ausgeweitet. Demokratische Regierungen, die der Marktwirtschaft verpflichtet sind, verstaatlichen Banken und Unternehmen. Was bis vor einem Jahr noch als undenkbarer wirtschaftspolitischer Sündenfall galt, ist auf einmal zum realistischen Szenario geworden. Regierungen tun das Undenkbare, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu retten.

National wie international arbeiten die Staaten an neuen Regeln. Dass diese benötigt werden, bezweifelt niemand. Aber welche Regeln sind das konkret? Und wie viel Staat kann die Wirtschaft vertragen? Verliert ein überkontrollierter Finanzmarkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit? Können die neuen Regeln nur national verfasst sein – oder müssen dieselben Kontrollen für alle gelten? Diese Fragen wurden vor über 300 Vertretern des Bankgewerbes und der Presse auf der 2. Zeit Konferenz Finanzplatz von herausragenden Experten und Verantwortlichen der Finanzindustrie in der IHK Frankfurt diskutiert.

In seiner Begrüßung stellte IHK-Präsident Dr. Mathias Müller die Bedeutung des internationalen Finanzplatzes Frankfurt und seine entscheidende Bedeutung für die Wirtschaftskraft des Landes heraus. Die Finanzindustrie am Bankenplatz Frankfurt sichere den Erhalt und die Schaffung von qualifizierten, hochwertigen Arbeitsplätzen, die Standortqualität wie auch generell die Zukunftssicherung der gesamten Region. Müller appellierte an die Finanzindustrie, umsichtig, aber entschlossen zu handeln, um die Aufsichts- und Überwachungsstrukturen im Finanzsektor zu verbessern. Daher sei es nur folgerichtig, den Sitz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) komplett nach Frankfurt zu verlegen. „Für die Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt als uneingeschränkt führendes Finanzzentrum in Deutschland ist es von grundsätzlicher Bedeutung, sich an der zukünftigen Gestaltung der nationalen, europäischen und internationalen Finanzarchitektur zu beteiligen“, sagte er. Der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance sicherte er die Unterstützung der IHK Frankfurt zu. Deren Hauptziel ist es, das deutsche Finanzsystem im globalen Wettbewerb angemessen zu positionieren.
 
Vertrauen der Anleger wiederherstellen

Einer der vermutlich schärfsten Kritiker von allzu risikofreudigen Bankern konnte nicht kommen: Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt musste krankheitsbedingt seine Teilnahme an der Konferenz absagen. Dr. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, verteidigte die Fortschritte zur Bekämpfung der Finanzmarktkrise. „Die Reform der Finanzmärkte kommt gut voran“, fasste er die Anstrengungen von Politik und Finanzbranche zusammen. Dabei wies er auch den öffentlichen Eindruck zurück, dass die Banken zum Business as usual zurückkehrten. Viele Maßnahmen wie umfangreichere Stresstests, deutlich reduzierte Kreditfinanzierungen und eine erhöhte Transparenz würden bereits umgesetzt. Er beobachtet, dass die Banken ihre Lehren ziehen: „Ziel ist es, das Vertrauen der Anleger in die Finanzmärkte wiederherzustellen.“ Ackermann widersprach vehement Vorwürfen, die Banken würden nach einer Jahrhundertkrise einfach weitermachen wie bisher. „Dieser Eindruck ist falsch“, bekräftigte er.

Andere Vertreter der Finanzindustrie äußerten sich differenzierter. „Vielleicht ist die Krise tatsächlich zu kurz, um fundamentale Veränderungen zu erreichen“, sagte Martin Blessing, Vorstandssprecher der Commerzbank. An eine Selbstbeschränkung in der Branche glaube er nicht mehr, es brauche eine strengere Regulierung: „Und da darf man sich nicht hinter dem Argument verstecken, dass es national keinen Sinn macht und man es international nicht hinkriegt.“ Theodor Weimer, früher selbst ein hochrangiger Investmentbanker bei Goldman Sachs und heute Chef der HypoVereinsbank, stimmt dieser Ansicht zu: „Mancher Marktteilnehmer scheint zu denken, man muss nur ein paar Details anpassen und kann ansonsten weitermachen wie bisher.“ Seiner Ansicht nach müsse die Branche akzeptieren, dass nicht jede Bank eine Rendite von 25 Prozent erzielen könne – alles andere führe zu überzogenen Risiken.
 
Einfache und verständliche Regeln zur Kontrolle

Der neue Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin forderte einfache und verständliche Regeln zur Überwachung des Finanzsektors. Er bezweifele, dass selbst Experten verstanden hätten, welche Produkte die Finanzkrise ausgelöst haben und was möglicherweise noch an problematischen Papieren in den Bankbilanzen steckt. Zudem äußerte er Verständnis für den Unmut der Bürger über die hohen Gehälter der Topmanager. Nach Ansicht des früheren Berliner SPD-Finanzsenators wäre es angesichts der Billionenverluste durch die Finanzkrise angebracht, „wenn man bei den Bankern, die in dieser Zeit schöne Boni bekommen haben, mit dem Hut herumginge“. Boni sollten frühestens nach vier bis fünf Jahren ausgezahlt werden, meinte Sarrazin. Dem widersprach Alexander Dibelius, verantwortlich für das Geschäft von Goldman Sachs in Deutschland. Er ist gegen eine Begrenzung der Boni und fordert: „Es muss weiterhin eine leistungsgerechte Bezahlung geben.“

Besorgt äußerten sich Konferenzteilnehmer über den teilweisen Rückzug der Kreditinstitute auf heimische Märkte. Ausländische Töchter würden veräußert, um die Kapitalbasis der Mutter zu stärken, das grenzüberschreitende Geschäft werde reduziert, um die Risiken zu senken. Die Leistung der Politik bei der Bewältigung der akuten Krise vor einem Jahr wurde in den Diskussionen hervorgehoben. Das Bankenrettungspaket vom Oktober 2008 zeigte das Leistungsvermögen unserer Demokratie, so die einhellige Meinung. Solche Kraftakte sollten die Ausnahme bleiben, sonst werde das Vertrauen in geordnete demokratische Abläufe geschwächt. Die nächste Zeit Konferenz Finanzplatz findet am 14. September 2010 statt.  

Hans-Joachim Reinhardt
Geschäftsführer
IHK Frankfurt am Main
Starthilfe und Unternehmensförderung 

02.02.2010

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