Corporate Governance von Banken
"Corporate Governance ist heute eines der meist diskutierten Gebiete der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Die Literatur zur Corporate Governance ist schon in den einzelnen Disziplinen und erst recht gebiets- und disziplinübergreifend kaum mehr zu überschauen. Für die Praxis ist die Corporate Governance von großer Bedeutung, vor allem für börsennotierte Unternehmen, aber auch Börsen, Banken und andere Finanzinstitute, Industrieverbände, Regulierungsbehörden und Gesetzgebungsorgane nicht nur in Deutschland, sondern in allen großen Industrienationen Europas und der Welt. Überall versucht man, nicht zuletzt unter dem Druck des Standortwettbewerbs, die heimische Corporate Governance der Unternehmen und Banken zu verbessern – durch eine Vielzahl von gesellschafts- und kapitalmarktrechtlichen Gesetzesreformen, durch Corporate Governance Kodices und durch selbständige Bemühungen der Unternehmens- und Bankenpraxis.“ (Klaus J. Hopt)
"Banken unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von den kapitalmarktorientierten (Industrie-)Unternehmen, die das Standardmodell der Corporate Governance im Auge hat. Diese Abweichungen bewirken, dass klassische Corporate Governance-Mechanismen bei Kreditinstituten nicht oder nur unzureichend greifen und sich im Extremfall sogar negativ auf den verfolgten Steuerungszweck auswirken können. Einheitliche und allgemein verbindliche Corporate Governance-Regeln sind daher für die besondere Situation von Banken nur eingeschränkt tauglich. Natürlich gibt es viele Gemeinsamkeiten. Dies darf jedoch nicht den Blick auf wesentliche, hauptsächlich durch das andersartige Geschäftsmodell der Banken begründete Unterschiede verstellen. Wer die wichtigsten Stellgrößen einer ordnungsgemäßen Corporate Governance normieren will, muss sich der Mühe unterziehen zu differenzieren. Es ist höchste Zeit, in der wissenschaftlichen Befassung und im öffentlichen Diskurs über die prägenden Merkmale einer eigenständigen Corporate Governance von Banken nachzudenken und sich jenseits vereinfachender Pauschalierungen über die Konsequenzen für konkrete gesetzliche Festlegungen und anderweitig kodifizierte Verhaltensvorgaben Klarheit zu verschaffen." (Gottfried Wohlmannstetter)
Soweit die beiden Herausgeber des kürzlich erschienenen "Handbuch Corporate Governance von Banken". In 30 prägnanten Kapiteln erläutern führende Experten aus Wissenschaft, Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Bankenaufsicht und Bankenpraxis Bedingungen und Maßstäbe für die Corporate Governance im Bankensektor und reflektieren den aktuellen Stand der fachlichen Diskussion.
An dieser Stelle veröffentlicht Frankfurt Main Finance mit freundlicher Genehmigung des Verlages in loser Folge Auszüge einzelner ausgewählter Beiträge des Buches, um einen Beitrag zur notwendigen Diskussion über dieses für die Branche grundlegende Thema zu leisten.
Frankfurt Main Finance dankt dem Verlag C.H.Beck/Vahlen für die freundliche Genehmigung zur Übernahme der Texte auf dieser Website.
Die Beiträge
- Zehn Thesen zur Corporate Governance von Finanzinstituten (Klaus J. Hopt)
- Zur Notwendigkeit einer bankspezifischen Corporate Governance (Gottfried Wohlmannstetter)
- Anforderungen an eine neue Ordnung der Finanzmärkte (Otmar Issing, Marcel Bluhm)
- Unternehmenskultur in Banken (Hugo Bänziger, Andrew Procter))



